Erbses Klettercomics, Band I: „Sauber on sight“


Als ich ’95 meine ersten Klettercomics zeichnete, dachte ich nicht im Traum daran, dass die Sache eines Tages mein Beruf werden würde. Es machte mir ganz einfach Spaß, die vielen Situationen, die ich beim Klettern als ganz typisch oder einfach nur witzig erlebte, festzuhalten.

Exemplarisch dafür steht die Geschichte „sauber on sight“, mein erster Klettercomic überhaupt.

Ich hatte bereits ein paar weitere stories gezeichnet, als ich Volker Leuchsner, seines Zeichens schwäbischer Sportkletterpionier und Chefredakteur des damals soeben neu auf dem Markt erschienenen Magazins klettern, im Donautal traf. Es war eine Szene, wie sie nur das Leben choreografieren kann: Er seilte gerade ab über den Löchlesfels, ich stieg gerade auf, und zwischen Himmel und Erde quatschte ich ihn an. Dass ich diese Situation zum Comic habe machen müssen ist klar.
Daraus ergab sich, dass ich mit meinen Zeichnungen bei der Redaktion in Stuttgart vorbeischaute und sich in Folge eine Zusammenarbeit entwickelte.

Nachdem ein paar meiner Comics veröffentlicht waren, hatte ich eines Tages unverhofft den Panico Alpinverlag, personifiziert in Achim Pasold, am Telefon. Er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, bei ihm einen Comicband herauszubringen. Natürlich hatte ich! Das war ja wie der 6er im Lotto!

1996 wurde ein geiles Jahr! Angesichts dieses Projekts verschob ich mein Examen begeistert auf 1997, reiste nach Thailand, ging überhaupt extrem viel zum Klettern. Ich machte meinen Fachübungsleiter und war am Fels so schwer unterwegs wie nie zuvor (und auch nicht mehr danach). Und arbeitete an meinem Comicband. Dieser erschien zum Jahresende `96 in einer Auflage von 1500 Stück.

Die war erfreulich schnell vergriffen, so dass 1998 die zweite Auflage gedruckt wurde. Auch diese wanderten zügig über den Ladentisch, so dass mein erster Band ab ’99 nicht mehr zu haben war.
Es stellte sich die Frage, ob sich weitere Auflagen lohnen würden. Ich war natürlich fest davon überzeugt! Mein Verleger gab sich defensiver und argwöhnte, „der Markt sei inzwischen gesättigt“. Heute wissen wir beide, dass ich mit meinem Optimismus richtig lag und dass wir damals erst am Einstieg standen. Wahr ist aber auch, dass niemand auch nur im Ansatz hätte voraussagen können, welche Dynamik der Klettersport entwickeln würde. Inzwischen steuert der Band in seiner 10. Auflage an und hat die 10.000er Latte übersprungen.

Für mich ist der 1. Band in der Reihe meiner Klettercomics etwas Besonderes. Er stammt aus meiner intensivsten Kletterzeit, ich schöpfe damals in jeder Hinsicht aus dem Vollen. Wenn ich ihn mir heute anschau’ muss ich grinsen wie simpel die Zeichnungen damals waren … aber das tut der Sache keinen Abbruch. Ich finde, es hat sogar seinen speziellen Charme. Vor allem aber stimmt der Spirit!