Ingelheimer Hof

„Ohne Wurzeln keine Flügel …“
(Bert Hellinger)

In meiner Kindheit sind wir aufgrund der vielseitigen Berufsbiografie des Vaters häufig umgezogen. Die stabile Konstante im Leben war die Familie selbst und mit meinen drei Schwestern war es auch nie langweilig.
Trotzdem trug ich schon immer das Gefühl in mir, wenn ich einmal Familie haben sollte, sollte das an einem festen Platz sein, einem Ort, zu dem wir gehören.

Die Sommer über waren wir Köpfkinder stets auf einem Hof im Hohenlohischen. Der Bauer, ein entfernter Verwandter, bewirtschaftete seinen kleinen Betrieb noch ganz in alter Tradition: Eine handvoll Kühe wurde morgens auf die Weide getrieben, hinterm Stall suhlten sich ein paar Schweine auf der Koppel neben dem Hühnerhaus. Dazu etwas Ackerbau, vor allem zur Versorgung des Viehs.
Für uns Kinder war der Hof in Schönbronn ein einziges Paradies. Die pure Freiheit in einem kleinen Weiler, wo die Zeit stehen geblieben schien mit zwei ungeteerten Straßen, dem Spritzenteich, in dem ich Karpfen angelte, dem Wald hinter den Feldern, in dem es Pilze gab und an dessen Rand abends die Rehe standen. Ich glaube, schöner kann Kindheit nicht sein. Es war unser Bullerbü.

Nach so einem Platz habe ich mich seither immer gesehnt. Und es gehört – zusammen mit dem Umstand, dass mich das Leben tatsächlich Zeichner sein lässt – zu meinem großen Glück, dass sich dieser Traum tatsächlich erfüllt hat.

Dergleichen was lässt sich nicht planen wenn man nicht in finanziellen Sphären schwebt, die einem eh alles ermöglichen. Ich hatte keine Ahnung, wie ich diese Vision je verwirklichen sollte.
2003 widerfuhr mir eine Zäsur in meiner Biografie. Ich erlebte sie zunächst als ein Desaster, aber als sich der Nebel lichtete ordnete sich mein Leben, als würden auf einmal stimmige Puzzleteile zusammengesetzt. Es fand sich alles.

Und so leben wir heute als zwei Familien mit insgesamt 6 Kindern auf dem hintersten Aussiedlerhof der Parzelle „Ingelheimer Höfe“. Bei uns hört der Weg auf, danach kommen nur noch Wiese und Wald.


Der Hof ist kein altes Traditionsgut sondern ein relativ kleiner, einfacher, eternitgedeckter Beton-Skelettbau. Er liegt nicht an einem Sonnenhang im Südschwarzwald oder gar im Allgäu sondern im wenig spektakulären Kraichgau. Und doch ist er im Rahmen dessen, was für uns denk- und machbar ist, perfekt. Ihn in unserem Sinne aus- und umzubauen und zu entwickeln ist ein Projekt für vielleicht mehr als nur einen Lebensabschnitt. Das ist mit viel Arbeit und Einsatz und einem langen Atem verbunden. Aber es ist ein absolut sinnstiftender Inhalt und schafft uns und den Kindern Lebensräume und –möglichkeiten, wie sie heute ganz selten geworden sind.

Es ist stets Leben auf und um den Hof. Wir haben viel Besuch. Es entstehen regelmäßig Anlässe, Feste und Aktionen, die den weiteren Familienkreis, Freunde und Interessierte zu uns führen.


Noch sind wir im Aufbau. Wenn aber die entsprechende Infrastruktur steht, wird in der Richtung noch mehr gehen. Wir haben da ein paar Ideen. Ob nun Ferienangebote für die Kids aus den nahem Ballungszentren, ob kleines, feines Kletterzentrum in meinem Endlosprojekt „Boulderraum“, ob künstlerisches Kursangebot … die Sache wird sich entwickeln.
Wenn wir soweit sind, wird diese Seite auch entsprechend erweitert und ausgebaut.

Bis dahin läuft aber das Leben auch schon und wir sind mittendrin. Und, wie ich es auch im Comicband 6 ausgesprochen habe: Wir freuen uns über Menschen, die bei uns vorbeischauen 🙂